Rezensionen
Artikel im Oberbayerischen Volksblatt vom 13.01.2011

Morbides in Fotografien und Malerei

Arbeiten von Thomas Stockerl und Veronika Seebass in der Galerie von Neubeuern

…… Veronika Seebass zeigt deutlich ihre Vorliebe für Blumen und Pflanzen. Doch beileibe nicht in gängigen Blumenbildern oder Stilleben. Obwohl ihr Malstil eher altmeisterlich fein ist, sind ihre Bilder expressiv.

Die Malerin setzt Blumen, Pflanzen und Landschaften vor einem leicht farbigen oder weißen Hintergund. Ihre Tulpen sind nicht frisch, sondern verwelkt. Gerade die Veränderung der Tulpenblätter übt auf Veronika Seebass großen Reiz aus. Sie liebt die Metamorphose. So werden ihre Bilder zu reduzierten Kompositionen. Veronika Seebass möchte auf keinen Fall abbilden, sondern eigenständige Bilder schaffen.(….) In der Galerie von Neubeuern zeigt er (Thomas Stockerl A.d.R.) wie auch Veronika Seebass Serien. Sowohl in den beiden gemeinsamen als auch in den zwei einzelnen Räumen wird dem Ausstellungsbesucher klar, dass beide Künstler neben dem Wunsch nach eigenständigen Bildern ihre Vorliebe für die Vergänglichkeit in der Natur gemeinsam haben.”

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Artikel im Oberbayerischen Volksblatt vom 25.06.09

Die Schönheit des Vergänglichen

Tulpen kennen wir meist als glatte, oft recht künstlich wirkende Gebilde, die aus den Niederlanden an Blumenläden verschickt werden und dann in Blumenvasen gelangen. Eine recht sterile Angelegenheit auf den ersten Blick.

Doch der zweite Blick erkennt mehr. Er widmet sich dem zeitlichen Aspekt der Tulpe, ihrer Metamorphose in Form und Farbe.Die Rosenheimer Kunstpädagogin und Malerin Veronika Seebass hat sich am Beispiel der Tulpe eingehend dem Thema «Vergänglichkeit» gewidmet und präsentiert hierzu im Kunsthof Pösling bei Rosenheim Gemälde in verschiedenen Größen und Variationen

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Veronika Seebass – Werkschau

Einführung: Thomas Stockerl 17.11.2007

Veronika Seebass studierte Bildende Kunst, Kunstpädagogik und Kunsttherapie bei Prof. Westendorp in Bremen. Geboren 1966 in München, aufgewachsen in Ecuador und München, arbeitete und lebte sie längere Zeit in Berlin. Vor sieben Jahren kehrte sie der Kunstmetropole den Rücken, um bei uns als Künstlerin, Kunstpädagogin und Kunsttherapeutin aktiv zu sein.
Seit dieser Zeit finden wir ihre malerischen Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen in unserer Region wie auch im Münchner Raum.
Sie finden in dieser Werkschau Arbeiten aus unterschiedlichen Schöpfungsphasen der Künstlerin. Ich möchte Ihnen besonders zu den zwei großen Zyklen dieser Ausstellung (die Landschaften, die Blumen) etwas Hintergrundinformation geben, die ich aus Gesprächen mit der Künstlerin entnehme und mir erlaube, mit eigenen Gedanken zu ergänzen.

Die Landschaften:

Auf langen Zugfahrten beobachtet Veronika Seebass mit zunehmender Faszination die an ihr vorbeiziehenden, sich ständig wandelnden Landschaften. Dem ruhigen Blick entzogen, beginnt sie ,in Skizzen die Formen, Flächen, Schichten, sozusagen die Elemente der Landschaften auf Papier zu bannen.
Diese Extraktionen, Konzentrate der wirklichen Welt, sind Ausgangspunkt des schöpferisch-malerischen Prozesses im Atelier.
Die Ausdrucksdichte dieser kleinformatigen Arbeiten erinnert an die Farbkraft der Brückemaler, an das expressionistische Umfeld von E. L. Kirchner. Die Farbe droht das Format zu sprengen.

Veronika Seebass arbeitet malerisch das heißt intuitiv, in unzählige Übermalungen, Korrekturen, sucht sie die Energie der Farbe zu verdichten, auf die Spitze zu treiben. Sie beschreibt selbst ihre Arbeit am Bilde als eine Suche nach den Extremen.
Gelegentlich, wie bei den feurigen Bildern, entsteht für sie die Frage, wie viel Spannung das Bild, aber auch Sie selbst überhaupt ertragen kann. Dieser Prozess kostet Kraft. Eine Kraft, die die Bilder verkörpern, denn sie sind reinster Ausdruck von Vitalität, Lebenslust und Energie.
Es geht um Malerei im eigentlichen Sinne: Spontane Malgesten stoßen auf konzentrierte Flächen. Das malerische Experiment, der aus dem Bauch gesetzten Striche – die Künstlerin dreht die Bilder auf den Kopf, um freier arbeiten zu können – bleibt für uns Betrachter in aller Frische sichtbar.
Aber am Ende verdichten sich all die extremen Zwischenstadien zu Bildern, die trotz ihrer Kontraste ihre farbliche Einheit finden.

Was sehen wir? Erträumte Welten, violette Berge, Feuerlandschaften, Eisgebirge voller Wärme, Imaginationen, die im Übrigen die Künstlerin oft im Traum noch verfolgen.

 

 

 

Die Tulpen:

Wenden wir uns jetzt der anderen großen Serie zu: Blumen, schön, auch wieder kraftvoll – etwas eigenartig und botanisch schwer zu bestimmen.
Die Malerei ganz anders, kein Duktus, stattdessen fein mit dem Pinsel vertriebene, plastisch modellierende Farbe. Eine Farbe immer im Vordergrund, Rot, tiefes, kraftvolles Rot, sehr malerisch, und in unzähligen Farbvaleurs variiert.
Was sind das für Blumen? Wir haben es hier noch mehr mit einem künstlerischen Konzept zu tun. Zwei Tulpen, die Veronika Seebass über Wochen, Monate beobachtet sind die Grundlage dieser Gemälde.
Es geht also um Metamorphosen, denn die Tulpen verändern sich, sie verwelken, sie verdorren. In dieser Gestaltwandlung verdichtet sich Zeit in Bildern, die wir hier in den Gemälden wieder finden.
Bei den Landschaften ging es um das Herauslösen einzelner Bilder aus einem zu schnellen Film – der Blick aus dem rasenden Zug. Aber hier verdichten sich, wie im Zeitraffer, Tage, Wochen in Bildern – Entschleunigung

Vor der Leinwand im Atelier der Künstlerin vollziehen sich weitere Metamorphosen. Sie arbeitet hier ohne Skizze, direkt, alla prima die Farbe auftragend. Unter ihren Pinselstrichen transformieren sich die vegetativen Formen der Pflanzen erneut: Sie entfalten sich, sie wuchern und winden und schrauben sich, dehnen sich aus und sprengen wieder den Rahmen der Bilder.
Zu neuem Leben erwacht, entfalten sie auf andere Weise als die Landschaften eine Dynamik und Kraft. Der Duktus ist hier nicht spontan, sondern konzentriert, kontrolliert. Die Spannung steckt in den Formen.
Wir sehen wallende, blutrote Tücher, tiefrote, züngelnde Flammen, kochende Energien in ondulierenden, wogenden Linien.

Veronika Seebass Malerei ist in diesem Sinne auch konzeptuelle Malerei. Konzeptuelle Malerei die ihre Sinnlichkeit glücklicherweise nicht den geistigen Ideen geopfert hat. Sie bleibt erfahrbar, erlebbar für den Betrachter.

Somit fällt es mir leicht, Sie jetzt ohne weiteres Zerpflücken den Bildern und ihrer eigenen Sprache zu überlassen.


Weitere Artikel finden Sie im Archiv OVB-Online

Von der Schönheit der Vergänglichkeit

http://www.ovb-online.de/rosenheim/bad-aibling/schoenheit-vergaenglichkeit-3563555.html

 

Künstlerische Vielfalt im Trio

http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/kuenstlerische-vielfalt-trio-3329901.html